Historische Bildung

 

Seit 2017 arbeite ich als Jugendreferent für historische Bildung im Landkreis Dahme-Spreewald. Insbesondere die Regionalgeschichte ab 1933 ist mir wichtig. So beschäftige ich mich mit dem KZ Außenlager Königs Wusterhausen und dem KZ Lieberose, dem späteren Speziallager Jamlitz. In der Alten Schule von Halbe habe ich mein Büro. Im April 1945 fand in der Region Halbe die letzte Kesselschlacht des Zweiten Weltkrieges statt. Mehr als 40.000 Tote waren zu beklagen.

Auch in meiner Familie hinterließ der Krieg seine Spuren. Auf dem Schwarz-Weiß-Foto befindet sich meine Mutter Erika mit ihren Brüdern Willi (links) und Herbert (rechts). Die Brüder wurden beide zur Wehrmacht eingezogen. Im Frühjahr 1945 wollten viele Einwohner meines Heimatdorfes Ranzig nach Halbe flüchten, und hofften dort auf Schutz durch die Wehrmacht; auch meine Mutter flüchtete als 16-jährige vor der heranrückenden Roten Armee. Nur gut, sie versteckte sich mit anderen Einwohnern in einem Wald bei Storkow; so überlebten sie die katastrophalen Kriegshandlungen in und um Halbe.

Im April 1945 war Herbert noch am Leben, und wir vermuten, dass er im Kessel von Halbe ums Leben kam. Er gilt seitdem als vermisst. Um 1983 stellte mein Onkel Willi in Halbe Nachforschungen an, wir besuchten den dort befindlichen Waldfriedhof. Dieser Friedhof wurde auf Initiative von Pfarrer Teichmann angelegt. Er zählt zu den größten Kriegsgräberstätten in Deutschland.

„Auf dem Waldfriedhof ruhen 24.000 Opfer der Kesselschlacht – darunter Soldaten und Zivilpersonen, sowjetische Zwangsarbeiter und die, in der deutschen Hinrichtungsstätte Berlin-Tegel und im Internierungslager Ketschendorf Verstorbenen.“ (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Waldfriedhof Halbe, S. 18)

Unsere Nachforschungen nach meinem Onkel Herbert blieben leider ergebnislos. Mit Antritt meiner Stelle in Halbe recherchierte ich im aktuellen Namensbuch des Waldfriedhofs, und fand den Vor- und Nachnamen meines vermissten Onkels: Herbert Müller. Leider fehlt beim Eintrag das Geburtsdatum, und so bleibt es offen, ob es sich tatsächlich um meinen Onkel handelt.

Jugendliche Besucher können nach einer Veranstaltung, sofern es die Jahreszeit erlaubt, in Nähe des Waldfriedhofs Bäume pflanzen. Wir haben bereits hundert „Friedenseichen“ gepflanzt, und diese Jugendgruppen, die Halbe verlassen, können dann sagen: „Ich habe dort neues Leben gepflanzt“. Im Angesicht der Schrecken des Krieges mahnen die Bäume zum Frieden und zum Schutz des Lebens. Das Anpflanzen der Bäume erfolgt in Absprache mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. und der Oberförsterei Hammer.

Neben der NS-Diktatur gehört auch die Aufarbeitung der SED-Diktatur zu meinem Programm. So biete ich Projekttage und Fahrten zu Gedenkstätten an, meine Bücher über die Geschichte der deutschen Teilung dienen mir dabei als Arbeitsgrundlage. Motto meiner Arbeit als Jugendreferent ist ein Leitsatz von Pfarrer Teichmann: „Willst Du, dass es Friede werde, musst Du selbst ein Mensch des Friedens sein.“