Fluchtgeschichte(n) 1945, 1961, 1989, 2015

Im Jahr 1945 erlebte Europa mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Ostgebieten die bislang größte Fluchtbewegung der Geschichte. Zu den 15 Millionen Flüchtlingen zählte auch mein Vater Franz Schultke. Jeder fünfte Flüchtling kam damals in den Nachkriegswirren ums Leben. Schon weniger Jahre später setzte eine Fluchtbewegung aus der neu gegründeten DDR in Richtung Westdeutschland ein. Von 1949 bis zum Fall der Berliner Mauer flüchteten 2,7 Millionen DDR-Bürger in den Westen. Immerhin konnte die DDR-Diktatur den Flüchtlingsstrom mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 massiv eindämmen, und damit 28 Jahre ihre gesellschaftliche Existenz sichern. Ich selber wollte viele Jahre das DDR-Einweckglas verlassen, hatte eine Brieffreundin in New York, doch erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs erfüllte sich dieser Wunsch. 2015 ist ein weiteres historisches Jahr: Rund eine Millionen Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und anderen Krisengebieten suchen in Deutschland Zuflucht. Persönlich engagiere ich mich für das Rote Kreuz in einem Asylantenheim im Unterspreewald. Menschen auf der Flucht, ihre Schicksale bewegen. Wie kann die neue Situation gemeistert werden? Bei meinen Vorträgen beschreibe ich individuelle Fluchtgeschichte(n) von 1945 bis 2015. Abschließend erzähle ich von meiner Reise mit einem spanischen Fährschiff zur Enklave Melilla; dort besichtigte ich die abschreckenden 6 Meter hohen Grenzzäune zwischen Spanien und Marokko, die mich an den einstigen Eisernen Vorhang zwischen Ost- und Westeuropa erinnerten. Interesse für meine Vorträge zeigten auch die Japaner:  Im Frühjahr 2016 berichtete ich auf Einladung der Japanisch-Deutschen Gesellschaft und der Ostasiatischen Gesellschaft Tokio (OAG) über die Flüchtlingssituation in Deutschland, aber auch die Deutsche Schule Tokyo-Yokohama wollte über meine Fluchtgeschichte(n) informiert werden. 2017 setzte ich meine Asien-Vortragstour in Südkorea und Taiwan fort. 

BERLINER MAUER – EISERNER VORHANG
BERLIN WALL – IRON CURTAIN
INTERNATIONALE GRENZKONFLIKTE

Bis zu meinem 23. Lebensjahr lebte ich hinter der Berliner Mauer. Ich wusste um die wunderbare Welt da draußen, durfte aber fast nirgendwo hin. Als die Mauer fiel, bekam ich ein zweites Leben geschenkt. Der Eiserne Vorhang, der mich einst einsperrte, hat sich Dank meiner Grenz-Bücher heute zum fliegenden Teppich verwandelt, der mich durch die Welt reisen lässt. Erinnern ist der beste Grund, auf dem die Zukunft bestehen kann.

Bis in die Gegenwart gibt es schmerzhafte Grenzanlagen, so zwischen Israel und Palästina. Ich besuchte die Grenzanlagen zwischen Jerusalem und Bethlehem und sprach mit Zeitzeugen auf beiden Seiten (Foto 2). Auf Zypern besteht eine Teilung zwischen griechisch-zyprischen und türkisch-zyprischen Gebiet. UN-Blauhelmsoldaten überwachen das Grenzregime. Das Foto Nr. 3 zeigt einen Grenzübergang in Nikosia. Sie ist die einzige Hauptstadt der Welt, die heute noch geteilt ist wie einst Berlin. 2017 besuchte ich die Grenze zwischen Nord- und Südkorea, die Fotos 4 und 5 wurden am Grenzübergang in Panmunjom aufgenommen.